Mit vielen oder wenigen Menschen

Allein sein oder unter vielen Menschen – das Bedürfnis dafür wechselt immer wieder. Quelle: pixabay

Ich lebe ein Leben in drei Akten – ein verrückter Satz, der neugierig macht, oder?! Was meint sie damit, werdet ihr denken.  Es meint nicht Kindheit/Erwachsen sein/Alter. Nein, es meint meinen Umgang mit meiner Umwelt. Mit den Menschen, die mich umgeben.

Während meine liebsten Menschen, meine Familie und engsten Freundinnen durchweg ihren Platz ganz nah bei mir haben und jederzeit in meinen Alltag hinein gehören, gibt es aber drei „Phasen“, die sich immer wieder abwechseln.

Der erste Akt bedeutet: VIELE MENSCHEN. Hier kann ich mich jederzeit auf die unterschiedlichsten Menschen einlassen, kann eintauchen in Seminare, in Workshops, kann selbst vorne stehen und lehren oder Vorträge halten, bin durchlässig und offen wie ein Schwamm. Offen für Austausch, für Neues und anderes. Kann mir die Sorgen und Nöte  der Menschen anhören und aufnehmen, empathisch sein und meine Hilfe anbieten. Geben und nehmen im Überfluß, das ist ein Teil von mir. Ein Akt meines Stückes.

Der zweite Akt sind EINIGE MENSCHEN. Das sind intensive Zeiten. Meiste geht mir selbst etwas durch den Kopf. Ein Problem, ein Text- oder Kunstprojekt. Etwas , was noch Zeit braucht. Nein, besser: ich brauche Zeit. Dann bin ich nur für Freunde zugängig. Dann liebe ich die kleinen Gruppen, sitze gern bei gemeinsamem Essen zusammen, oder führe offene Gespräche beim Wandern und Walken. Hüpfe aber doch weiter, bleibe aber irgendwie immer an meinem Thema dran. Hier präge ich viel mehr aus mir heraus mein Umfeld und suche mir „meine Menschen“ gezielt aus. Ich fühle mich in der Zeit auch offen wie ein Schwamm, aber auch verletzlich. Deshalb wäge ich ab und wähle aus. Eine sehr bewusste Phase mit einer hohen Qualität der Begegnungen.

Der dritte Akt bedeutet WENIGE MENSCHEN. Eigentlich fast niemand. Hier ist Rückzug angesagt,  Ruhe und Stille sind die wichtigsten Begleiter. In solchen Phasen findet ein Dialog mit der inneren Stimme statt. Oft sind es Zeiten, in denen ich Erholung brauche, nachdem ich mich in den anderen beiden Akten verausgabt habe. Erholung, Entspannung – und den eigenen Rhythmus wiederfinden, das ist Akt drei.

Gefunden habe ich diesen Ansatz bei Paulo Coelho. In seinem Buch „Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ in der Geschichte: „Ein Tag in der Mühle“. Ich danke ihm sehr für die Idee der drei Akte. Er benennt es als Symphonie, für mich passt ein Schauspiel in drei Akten besser.

Vielleicht kann ich euch damit gedanklich auf den Weg schicken. So ging es mir nämlich, als ich die Geschichte gelesen hatte. Wir wandern zwischen diesen Akten hin und her. Mal dauert die eine länger, mal wechseln sie sich staccato ab. Es hilft mir aber vor allem dabei, mich selbst besser zu verstehen, warum ich manchmal in Menschenmengen baden kann, und dann wieder schier homophob wirke. In den Zuständen der Ruhe, im dirtten Akt sozusagen, tut sich aber immer die kreative innere Quelle auf und versorgt uns mit den wertvollsten Nährstoffen.

Die Mondhütte, mit ihrem Ritual, mit ihrer Ruhe und ihrem Raum für mich selbst, schafft Platz für dieses Sein und einen Ausgleich zu den drei Akten. „Sei wie ein Fluss“ –  das geht in der Mondhütte am besten.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Ferienanfang. Im Bad zwischen vielen Menschen am Meer, in Entertainment- Aktivitäten mit vielen spannenden Begegnungen, oder auf einsamen Bergpfaden hoch oben in den Alpen oder Pyrenäen. Oder wo auch immer.  Erfahrt euch selbst und tut euch gut – seid glücklich!

Eure Elma

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