Schlagwort: Gelassenheit

Wie werde ich bloß gelassener?

Oder besser: Wie kann ich mit den tollen Anregungen, die es an jeder Ecke gibt – kostenlos oder zu Höchstpreisen – wie ein Yogi durchs Leben gehen. Geerdet. Immer milde lächelnd. Nie aus der Ruhe zu bringen. Immer präsent. Gerade heute ist so ein Tag, an dem ich wieder sehe: Ich bin noch ganz weit weg davon.

Der erste Tipp, den ich finde, erscheint mir fast zu banal, um wirkungsvoll zu sein: „Fassen Sie den Entschluss, gelassener zu werden.“ Damit gehe ich aber erstmal spazieren – innerlich wie äußerlich. Dabei wird mir schon klar: Spazieren gehen und die Gedanken ihre Arbeit machen zu lassen, erweist mir einen hervorragenden Dienst.

Die Innere Mitte – im un-gelassenen* Zustand ist sie ganz schön weit weg. Was wirft uns denn eigentlich aus unserer „inneren Mitte“?  Das meine ich übrigens gar nicht esoterisch, sondern ganz praktisch. Ich meine unser inneres Gleichgewicht, den Kontakt zu uns selbst und zu unserem Standpunkt im Leben. Wenn Körper, Geist und Seele im Einklang sind, dann sind wir in Balance. Und je mehr wir in unserer Mitte sind, desto gelassener und ausgeglichener sind wir. – Soweit die Theorie. Die Praxis sieht gerade anders aus: Ich fühle mich absolut un-gelassen*. Ich stelle mir gerade folgende Fragen:

  • Wie werde ich wieder „gelassen“?
  • Und was unterscheidet den einen Zustand vom anderen?
  • Warum verliere ich die Balance?
  • Und warum meine innere Mitte?

Es liegt an einem inneren Ungleichgewicht. Hier ist etwas ziemlich aus der Balance gefallen. Es geht um das Gleichgewicht zwischen Job, Freizeit, Beziehungen und Gesundheit. Diesen vier genannten Bereichen des Lebens muss ich besondere Aufmerksamkeit schenken. Nur, wenn Körper, Geist und Seele im Einklang miteinander stehen, dann sind wir in Balance und in unserer eigenen Mitte.

Dauerhafter Stress ist ein Haupt-Verursacher von Un-Gelassenheit. Stress, der dauerhaft ist, führt unweigerlich irgendwann zu Überbelastung. Der Stress kann eine Weile kompensiert werden, aber irgendwann werfen uns Hektik, Alltagsdruck und der normale Alltagswahnsinn aus der Bahn.

Die Folgen sind gravierend – für dich selsbt wie für dein Umfeld:

  • Unzufriedenheit
  • Un-Gelassnheit*
  • Erschöpfungszustände

    Wenn der Stress zu groß ist, kann niemand mehr gelassen reagieren. Foto: ©-Kaspars-Grinvalds/Fotolia

  • Nervosität
  • Schlafstörungen

Und das ganze potenziert sich gegenseitig. Wer mal ein paar Nächte im Gedanken-Karussell verbracht hat, weiß, wovon ich rede. Und wer das längere Zeit so lebt, dessen Ressourcen sind bald aufgebraucht. Merke: Wer ständig unter Strom steht, läuft Gefahr, krank zu werden.

Eigentlich ist es ganz leicht. Weniger zu arbeiten, um mehr Freizeit zu haben – das ist nicht unbedingt gemeint. Die meisten von uns leben in dieser Disharmonie, weil sie jedem und allem

gerecht werden wollen. Und du selbst stehst vermutlich als letzte auf der Liste.

Schau doch mal genauer hin: Willst du nicht mehr Sport machen? Eigentlich?! Willst du nicht mehr Zeit haben für dein Hobby? Die Freunde? Den Partner? Und für die Wohnung und den Garten? Wie soll das, bitte, gehen?

Schau dir die vier Bereiche deines Lebens also mal genauer an und teile dafür einen Kuchen in Kuchenstücke auf. Male es auf. Vielleicht fällt dir dabei schon das Ungleichgewicht auf. Wie kannst du dem entgegenwirken? Wie findest du wieder zurück zu mehr Lebensfreude?

Ein Leben im Gleichgewicht sieht für jeden anders aus. Die erste und für mich wichtigste Empfehlung: Weite deine Mondhüttenzeiten aus! Wenn du dir deinen Alltag anschaust, sind vielleicht genau diese kleinen Auszeiten über längere Zeit bis auf Null zusammengeschrumpft – und das darf nicht sein. Jedenfalls habe ich das für mich erkannt. Was aber auch noch hilft:

Das Gleichgeicht wiederfinden: zum Beispiel in der Natur.

#Schreibübung 1: Formuliere deine Wünsche. Für welchen Bereich möchtest du etwas tun? Vielleicht mit der Familie mal wieder etwas unternehmen? Ein Picknick? Ein gemeinsamer Besuch eines Parks? Willst du mehr Zeit fürs Wandern, Joggen oder fürs Fitness-Studio einplanen? Schreib dir hier alles auf, was du dir wünschst. Ohne Beschränkung oder Zeit-Limit. Hier geht es erstmal um deine Wünsche.

#Schreibübung 2: Schreibe eine Liste deiner Alltagspflichten. Liste alles  auf, was du alltäglich erledigen musst. Entlarve die Zeitfresser. Was davon lässt ich ändern? Wo kann ich Prioriäten verändern oder auf andere delegieren? Wenn du einen Partner hast, dann schaut euch eure Listen gemeinsam an und schiebt die Dinge hin und her, bis es für euch beide passt.

#Schreibübung 3: Vergleiche die Listen. Die Wünscheliste mit der Pflichtenliste vergleichen?! OK, welche deiner Wünsche lassen sich direkt oder möglicherweise mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf realisieren? Auch hier gilt. Bleib realistisch und beziehe deine Umwelt mit ein.

Du wirst sehen, so lässt sich Stück für Stück mehr Lebensfreude und Glücksgefühl zurück in dein Leben bringen. Nicht ungeduldig werden, aber dran bleiben. Und dann wird auch Gelassenheit wieder in deinen Seelenschrank einziehen.

Es ist genau jetzt die richtige Zeit dafür, damit anzufangen!

Deine Elma

* un-gelassen: meine eigene Wortschöpfung. Weil ich finde, nichts trifft dieses Gefühl treffender.

Ein hohes Ziel: Stoische Ruhe

Ruhe

Ruhe finden. Gelassenheit üben. An den kürzer werdenden Tage.

Zu den Idealen der Stoiker in der Antike gehörte vor allem GELASSENHEIT, GLEICHMUT und INNERE RUHE. Was wir uns vom regelmäßigen Rückzug in die Mondhütte versprechen, deckt sich stark mit der griechischen Philosophie. Dabei ist die „Stoa“, die griechische Philosophenschule, schon sehr alt. In einer öffentlichen Säulenhalle in Athen (stoa poikile) versammelte Zenon von Kition um 300 v. Chr. seine Schüler und begründete die Philosophie, die ein Leben frei von Affekten vorsah.

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten“, formuliert einer der letzten römischen Stoiker, Kaiser Mark Aurel.

Die regelmäßige Praxis des Rückzugs in die Mondhütte bedeutet Seelenpflege und geistige Reinigung, die uns heute zu einer inneren Ruhe führen kann, die nach und nach immer stärker in unser tägliches Leben wirken kann. Hier vergleiche ich unser Streben gerne mit den alten Stoikern, die „nur durch ein lebenslanges Bemühen um Selbstformung, das auch den Herausforderungen von Schicksal und mitmenschlichem Umfeld standhält, Aussicht auf Seelenruhe erlangen.“

Ich kann nur jede(n) einladen, sich für die Philosophie der Stoiker einmal Zeit zu nehmen. Es eröffnet sich ein altes Wissen, das auf unsere heutigen Bedürfnisse und Lebensweisen anwendbar ist und hohen inneren Wert haben kann. Aus meiner Schreibwerkstatt kann die vertiefende Auseinandersetzung mit der „stoischen Gelassenheit“ auch ohne den altgriechischen Überbau eine spannende Aufgabe sein:

#Übung: Nimm das Wort „Loslassen“ in Dir auf und drehe es hin und her wie eine Kugel. Schreibe 5 Minuten täglich, am besten morgens nach dem Aufstehen, was Dir genau in dem Moment zu diesem Wort einfällt.