Wenn ich einst alt bin…

Vielleicht etwas ungewöhnlich heute. Du bist es gewohnt, donnerstags hier einen Artikel über ein Frauenthema von mir zu finden. Heute kein Artikel, sondern nur ein Gedicht, dass mich schon seit einigen Jahren begleitet. Es hat viel mit Achtsamkeit zu tun, dem Thema über das auch Elma schon so viel geschrieben hat.

Wenn ich einst alt bin, trage ich Mohnrot. Foto: pixabay

Wenn ich einst alt bin, trage ich Mohnrot. Foto: pixabay

Achtsamer mit sich selbst umzugehen, das ist etwas, an das wir uns immer wieder neu erinnern müssen. Ich merke das an mir auch ständig. Auch achtsamer zu sein mit dem Thema Altern. Wie nimmst Du diesen Prozess wahr? Im folgenden Gedicht schreibt Elisabeth Schlumpf davon, wie sie sein möchte, wenn sie einst alt ist. Ich finde, wir sollten damit NICHT warten bis wir alt sind, sondern gleich und direkt damit anfangen!

Deine Luise

Wenn ich einst alt bin

Wenn ich einst alt bin
trage ich Mohnrot
weil ich das Brennen nicht missen möchte

Foto: © Ocskay Mark/Fotolia

Foto: © Ocskay Mark/Fotolia

Einen großen Hut
der weit auslädt
und das Gesicht anmutig verschattet

Ich werde stolz sein
wenn die Leute hinter mir tuscheln:
Da geht die verrückte Alte mit ihrem Hut

Vieles
werde ich nicht mehr machen
Zuhören zum Beispiel
wenn ich nicht mag
oder bleiben wenn es mich langweilt
nicht mehr lächeln
mit höflichen Floskeln
sondern sagen wie es mir ist

Vieles aber
will ich noch tun
Rutschbahn fahren mit meinem Enkel
rumpurzeln im Heu
und lachen dazu
Leute ansprechen
im Tram auf der Straße
die mir gefallen und fragen wie´s geht

Zeit mir nehmen für einen Schwatz
im Blumenladen die Ansicht
der Gärtnerin kennenlernen
über Jahreszeiten und Sträuße

Reisen
ein Weingut suchen im Herz der Toskana
weil mir das Etikett auf der Flasche gefiel
An die Nordsee fahren weil ich Sehnsucht habe
nach grauen Stränden und frischem Wind
Was mir so einfällt
ein Nachtspaziergang
Düften folgen
und fliegen lassen Bänder i

Unbekümmert und barfuß
lauf ich ins Grab

(Elisabeth Schlumpf)

 

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