Haiku – Kurz-Gedichte für die Seele.

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Schreiben für die Seele. Foto: agusyonok/fotolia

Fünf. Sieben. Fünf. Das ist der „Code“ für ein Haiku. Es geht dabei um die Silbenanzahl pro Zeile. Diese fast mantra-ähnliche Gedichtform, die ihre Tradition im alten Japan hat, hält trotz ihrer Kürze ein unglaubliche Poesie bereit. Zu Deutsch wird das Haiku „scherzhafter Vers“ genannt. Ich finde aber, dass diese Bezeichnung nicht recht passt, so trivial sind sie nämlich nicht, diese dreizeiligen Schätze. Gerade zwischen den Zeilen passiert nämlich echt viel. Da finden Gefühle statt und ganze Geschichten finden ihren Platz. Zwischen den Zeilen.

Grenzenlos und frei. Die Unzufriedenheit bleibt. Was also ist Glück?

In Wikipedia steht es ganz kompakt beschrieben: „Japanische Haiku bestehen meistens aus drei Wortgruppen von 5 – 7 – 5 Lauteinheiten, wobei die Wörter in den Wortgruppen vertikal aneinandergereiht werden. Unverzichtbarer Bestandteil von Haiku sind Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart. Vor allem traditionelle Haiku deuten eine Jahreszeit an. Als Wesensmerkmal gelten auch die nicht abgeschlossenen, offenen Texte, die sich erst im Erleben des Lesers vervollständigen. Im Text wird nicht alles gesagt, Gefühle werden nur selten benannt. Sie sollen sich erst durch die aufgeführten konkreten Dinge und den Zusammenhang erschließen.“

Gerade was Gefühle angeht, möchte ich gerne so viel beschreiben. Und meist greifen die Worte gar nicht, was ich eigentlich sagen will. Auch wenn ich es noch so versuche. Das Haiku versucht erst gar nicht, alles in Worte zu fassen, sondern lebt von dem Ungesagten. Ist das nicht etwas, was wir ganz gut auch in unser Leben übertragen können? Ist nicht manchmal viel wichtiger, was wir nicht tun? Oder was wir nicht sagen? Es ist auf jeden Fall ein treffliches Thema, mit dem wir uns in unsere Mondhütte zurückziehen können. Ein Genuss, sich den Zwischenräumen und Zwischenzeilen hinzugeben und in einer solchen freiräumigen Lücke zu baden!

Kreuz und quer gedacht. Poesie? Nein! Mein Ausdruck. Wort. Schatz. Für alle.

In unserem Adventskalender findet Ihr immer wieder kleine Haikus.Es sind kleine „Seelenschiffchen“ für die Adventszeit. Viel Spaß dabei, Eure Fantasie aufzumachen und die Zwischenräume zu füllen. Passt übrigens gut zu Christstollen und Chai-Tee.

Alles Liebe, Eure Elma.

Noch eine Schreibübung#: Versuch Dich in einem eigenen Haiku. Die Silben helfen Dir dabei. Es ist einfacher als Du denkst. Wenn es Dir Spaß macht, versuch Dich in einem Haiku-Tagebuch!