Poesie-Therapie – Mit Schreiben sich selbst begegnen

„Jeder Mensch verkörpert eine Silbe, ein einmaliges, unverwechselbares Gewächs aus Konsonanten und Vokalen, eine lebende Silbe, unterwegs zum Wort, zum Text.“

(Peter Sloterdijk, Philosoph)

Quelle: privat.

Wieder zu sich selbst finden. Quelle: privat.

Die Möglichkeit der Poesietherapie steht jedem Menschen offen, der Worte und Sätze bilden kann. Jeder, der in der Lage ist, einen Brief zu schreiben oder sich Notizen zu machen, der sprechen kann und versteht, was andere sagen. Es braucht keine besonderen Grundkenntnisse als diese, keine literarische Gewandtheit – im Gegenteil: in jedem Menschen ist ein individuelles sprachliches Ausdrucksvermögen vorhanden, das es ihm ermöglicht, Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Das Tagebuch. Es ist wie eine kleine geheime Insel, auf der geheime Wünsche, Sehnsüchte, Verletzungen und Ereignisse niedergeschrieben werden. Hier wird nicht geurteilt, hier kann jeder Mensch sich seine Gefühle von der Seele schreiben. – Schon das Tagebuch hat also eine zutiefst therapeutische und selbstanalytische Wirkung. Die Individualität des Ausdrucks, des Sprachvermögens und des eigenen Innenlebens zeigt, wie einzigartig eine auf Therapie angelegte Schreibarbeit sein muss. Eine durch regelmäßiges Schreiben geübte Sicht auf die eigenen Gefühlszustände kann zu einer Veränderung der Wahrnehmung und zu einem neuen, erweiterten Blick auf das eigene Sein führen.

Was  für mich, angesichts der heutigen schnelllebigen Zeit und der verbreiteten 144-Zeichen-Mentalität, den besonderen Reiz regelmäßiger Schreibübungen ausmacht – ist die Befreiung von jedweder Leistungsdenke, Funktionalität und Konformität. Beim Schreiben erfahren wir Verlangsamung im Denken, zu neudeutsch: Entschleunigung. Wir fahren unsere Sinne runter, kommen in eine Art Slow Motion, was das Innehalten fördert und die innere Stimme wieder hörbar werden lässt.  Das Ziel: das eigene Ich ausloten und Selbstbestimmung üben. Ein wertvolles Gut. Von da aus ist es zum eigenen Glück nicht mehr weit.

Schreiben! Einfach mal anfangen. Quelle: 86479136 | © Ivan Kruk - Fotolia.

Schreiben! Einfach mal anfangen. Quelle: 86479136 | © Ivan Kruk – Fotolia.

Ich danke Dr. med. Silke Heimes, die mir die Augen geöffnet hat für diese wunderbare therapeutische Arbeit und die vielen Achtsamkeits- und Schreibübungen, die ich in meiner Ausbildung bei ihr kennenlernen durfte. Übungen, die mir neue Türen zu mir selbst öffneten.