Schlagwort: Minimalismus leben

Achtsamkeit – von der Wärmflasche aus gesehen

Meine rote Wärmflasche. Quelle: lightwavemedia, fotolia.

Wichtiger Ort für Einsichten: meine rote Wärmflasche. Quelle: lightwavemedia, fotolia.

Es kann doch nicht so schwer sein? Einfach mal nein sagen. Egal, ob meine Chefin gerade mal wieder bei mir anklopft, ob ich eine extra Aufgabe übernehmen will oder ob das Unkraut zwischen den Fugen unseres Kopfsteinpflasters ins Kraut schießt. Oder auch, wenn ich am Morgen eines freien Samstages aufstehe und meine innere Stimme mir schon mindestens 3 Aufgaben nennt, die sofort erledigt werden müssen: „Du müsstest unbedingt Staub saugen, endlich den Keller aufräumen und deinen Kleiderschrank ausmisten!“. Also nichts mit „ich verbring den Tag heute mit Tee und einem guten Buch auf der Couch“.

Um aus diesem Teufelskreis „ständig-irgendwas-tun-zu-müssen“ rauszukommen, ist mir bis jetzt nicht viel eingefallen. Außer: dass mein Körper mich in größeren Abständen einfach mal mit einer Erkältung ins Bett schickt oder mit einem Hexenschuss zur Unbeweglichkeit und damit zu einem Rückzug auf die Wärmflache zwingt. Und da ist es egal, ob es draußen 30°C hat, in solchen Fällen hilft mir tatsächlich vor allem das Liegen auf meiner roten Wärmflasche. Ihr glaubt, ich mache Witze? Nein, ganz im Gegenteil.

Ganz ehrlich: ich bin diesem Umstand sogar einigermaßen dankbar. Denn so komme ich ab und zu wenigstens zu Ruhepausen. „Da kann ich ja nichts dafür!“,  kann ich meinem inneren Auftraggeber zurufen. An Tagen, an denen ich mich fit fühle, auch, wenn das auf der Scala von 1-10 unter 1 angesiedelt ist, würde ich doch nicht wagen, mich um die Arbeit zu drücken.

Ok, genug von meiner inneren Tafelrunde. Wobei es mir sehr gut tun würde, mich in die Unterhaltung dort mal einzumischen und eindeutig zu äußern… Kennst Du das? Hast Du auch eine solche innere Triebfeder, einen Antreiber, der dich ständig auf die Piste schickt? Um hier auszusteigen, braucht es einen wichtigen Moment. Bei mir ist es die rote Wärmflasche: Die hilft mir, innezuhalten und aus dem Hamsterrad auszusteigen. Erst dann wird für mich der ganze Irrsinn sichtbar! Was also ist dein Aussteiger für „detjanze“?

Was aber hilft hier wirklich? Mir hilft, mich bewusst mit dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen. Tu, was Du tust, mit voller Präsenz und Deiner vollen Aufmerksamkeit. Schau, dass es Dir dabei gut geht und Du Dich wohlfühlst. Baue dabei die Zustände ab, die Dich in Stress versetzen. Hier ein kleines Beispiel: Beim Unkraut jäten kann ich herrlich meditieren und die Zeit vergessen. Das ist keine doofe Arbeit, die keinen Spaß macht und die nichts als Rückenschmerzen und dreckige Finger hinterlässt. Nein, ich genieße diese Momente. Ich beschäftige mich mit kleinsten Grashalmen, Blättern und anderen Typen, die immer wieder aus meinen Beeten herausschauen. Diese Mikroaufnahme bringt mich in einen wunderbaren Zustand: Ich vergesse alles um mich herum und bin ganz bei mir selbst. Selbst die innere Tafelrunde schweigt! Und das ist ein herrliches Gefühl und unglaublich erholsam.

Wenn es bei Dir nicht die Gartenarbeit ist, die Dir dieses Aussteigen bietet, dann schau mal, was  es sein könnte. Im Grunde kannst Du alle Arbeiten, die der Alltag von uns fordert, für eine Achtsamkeitsübung nutzen. Überleg mal, ob das geht und probier es aus.

Ich habe einen Blog gefunden über das Thema „Achtsame Lebenskunst“. Hier schreibt Achtsamkeits-Coach Gabi Haeggel über das Phänomen Urlaub und schaut von hier aus auf unsere Stressoren. Das tut sie eigentlich aber deshalb, weil sie zeigen will, was wir tun müss(t)en, damit wir uns wohlfühlen. Lies mal rein, macht Spaß, sich das Thema Achtsamkeit von einem vollen Großstadt-Bahnhof vorzustellen. Fühlst du dich auch ertappt?! Ans Herz legen möchte ich dir auch die Übung, die sie dort anbietet.