Schlagwort: Slow Christmas

Sein oder haben – und in der Weihnachtszeit: Geben

Foto: Rido / Fotolia

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Geht es Euch nicht auch so? Das Schenken an sich macht viel mehr Freude als etwas geschenkt bekommen. Ich habe mich dabei ertappt, dass mein Herz vor Freude hüpfte, als ich ein Buch im Regal meines Lieblingsbuchladens entdeckte, das genau das richtige Geschenk für eine gute Freundin sein würde. Ja, es war ein richtiges Hochgefühl, das noch den ganzen Nachhauseweg anhielt.

Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. geschrieben von Erich Fromm, bringt so manchen zum Nachdenken. Nicht erst zu Weihnachten wird uns doch klar, dass wir alle viel zu viel haben. Was wir vor allem vermissen, ist Zeit, Ruhe und Muse für die Dinge, die wir gerne tun. Haben – mal abgesehen von den existentiellen Dingen – die, die uns warm halten, die ein Dach über dem Kopf sind und die uns satt machen, bedeutet doch auch: Ballast. Wenn das HABEN zu viel wird. Wenn es unwichtig wird. Und wenn es uns behindert in dem Gefühl, einfach nur zu SEIN.

Ja, Schenken dagegen fühlt sich so „reich“ an. Aus voller Freude schenke ich – genau dann kommt ein Geschenk von Herzen. Wenn es selbst gemacht ist, steckt viel Zeit, Liebe und Wertschätzung drin. Wenn es gut überlegt ausgesucht ist, mit einem lieben Brief oder einer Karte zusammen unter dem Weihnachtsbaum liegt, dann überrascht es, macht Freude und setzt ein Zeichen einer besonderen Verbundenheit.

Was schenkst Du denn in diesem Jahr? Hast Du Dir Zeit nehmen können, etwas zu basteln oder zu backen? Eine liebevoll verpackte Marmelade, eine handgezogene Bienenwachskerze oder eine selbstbeklebte Box mit leckeren selbst gebackenen Plätzchen – es muss nichts großes sein. Um sich zu freuen, brauchen wir wirklich nicht viel. Das bewusste Tun, das Nahe bei dem anderen sein und das Zeichen „ich habe mir etwas dabei gedacht“, ist glaube ich, heute eine wichtige Botschaft, die wir mit dem Geschenk mitschenken.

#Schreibübung: Schreib doch mal eine etwas andere Weihnachtskarte: Erzähle dem anderen von der schönsten Erinnerung, die Du an ihn oder sie hast. Schreib es als kleine Geschichte, in der erst am Ende sichtbar wird, dass es um Euch beide geht.

SLOW CHRISTMAS oder: wofür Rituale gut sein können.

Foto: 9comeback/fotolia

Erster Advent, die Kerze anzünden. Ein geliebtes Ritual. Foto: 9comeback/fotolia

Wie zu keiner anderen Zeit zelebrieren wir die Wiederholung von Dekorationen, von Abläufen und Verabredungen, wie in der Advents- und Weihnachtszeit, oder?! Ertappt Ihr Euch nicht auch beim Auspacken der Kisten mit Weihnachtsschmuck und Kerzenständern, den zahlreichen Engeln, Sternen und Herzen zum Hinhängen dabei, wie Ihr in Erinnerungen schwelgt?

Was ich besonders gern habe, um in diese Stimmung zu kommen, ist eine bestimmte Sorte Räucherstäbchen. Sie sind bestimmt für diesen Moment des Schmückens. Kennt Ihr das? Zimtsterne, Lebkuchen und Stollen – sie duften durch unsere Räume und transportieren schöne Erinnerungen zurück. Auch die erste Adventskerze, die wir gestern angezündet haben, ist Teil dieses Weihnachtsrituals. Sie schenkt uns eine innere Wärme, eine Geborgenheit und eine Nähe zu unseren Lieben, die das vergangene Jahr ein wenig auf der Strecke geblieben zu sein scheint. Also, wenn es die Weihnachtszeit schafft, uns einzufangen und runter zu fahren, wäre das ein Gewinn für uns alle! Zu schnell rennt die Zeit, rennen wir durchs Leben, schauen wir zu wenig auf den Moment, genießen ihn zu wenig.

Gerade wird viel über Slow food gesprochen. Hier schlägt sich eine Sehnsucht nieder, finde ich. Eine Sehnsucht nach mehr Lebensqualität – statt Quantität. An Weihnachten wünschen wir uns das auch. Und rennen doch wieder. Nach Geschenken. Zu Weihnachtsfeiern. Auf Weihnachtsmärkte.

Eine Tasse Chai - pure Gemütlichkeit.

Düfte – das Tor in eine entspannte Weihnachtszeit. Foto: unsplash / carlijean

Ich, Elma, die so gern von der Mondhütte schwärmt, ich plädiere für Slow Christmas in diesem Jahr! Was haltet Ihr davon? SLOW CHRISTMAS. So still und leise und leicht, wie Schneeflocken vom Himmel fallen, so wünsche ich mir die Zeit bis Weihnachten. Leicht, luftig und leise. Damit ich hören kann, was mir meine Erinnerungen erzählen wollen, wenn ich einen selbstgemachten Chai trinke und dabei gemütlich auf dem Sofa sitze. Und sonst nichts mache. Wenn ich mit meiner Schwester telefoniere und mich mit ihr auf Weihnachten freue, auf unser Wiedersehen bei den Eltern. Wie in jedem Jahr. Wenn ich die schreckliche Weihnachts-CD auflege, die meine Kinder so gern gehört haben. Gesungen von der Kelly-Family. Schrecklich. Schön. Und so Weihnachten!

Bewahrt Euch diese Freude über diese kleinen Dinge und bewahrt Euch die Rituale, die für Euch Weihnachten ausmachen! Holt sie raus aus dem Keller und aus den Kisten. Sie sind es wert. Und sie tun so gut.