Schlagwort: Yin und Yang

Netzwerke(n).

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 Quelle: Schneich, Pixabay.

Netzwerke – engmaschig und verlässlich. Quelle: Schneich, Pixabay.

Das kleinste Netzwerk bist du selbst! Zu diesem Schluss bin ich am Wochenende gekommen, als ich mich auf einen Vortrag zum Thema „Netzwerke“ vorbereitet hatte. Von dir selbst aus geht jede Vernetzung. Und eigentlich müsste es ein Verb sein, denn es hat vor allem mit Tun zu tun!

Das wichtigste und vermutlich das erste Netzwerk, das uns allen einfällt, ist der Partner. Und dann die Familie. Je nachdem, wie gut und wie nah beieinander die Familien wohnen, sind die Bande enger gewebt. Ich stelle jedoch fest, dass die dicksten Bande nicht unbedingt mit den nächstwohnenden Familienmitgliedern gewoben werden. Kennst du das auch?

Das nächste Netzwerk sind die besten Freunde und Freundinnen. Wer fällt dir dazu ein? Meine beste und älteste Freundin ist Luise! Wir kennen uns schon über 30 Jahre inzwischen. Ist das nicht Wahnsinn!? Wir können auf so viel gemeinsam Durchstandenes zurückschauen, kennen die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre, haben zusammen gelacht, geweint; haben uns zeitweise kaum gesehen. Aber immer noch hält uns ganz viel zusammen.

Daneben gibt es vielleicht noch ein, zwei, drei gute Freundinnen, aber viel mehr sind es dann gar nicht. Und dann kommen die Freunde aus der Nachbarschaft, vielleicht noch ein paar Vereinsverbindungen, weil man das gleiche Hobby teilt. Und dann wird es schon sehr locker mit den Verbindungen.

Wir vernetzen uns immer wieder auf diese Art und Weise. Wenn wir umziehen, brechen  nach einiger Zeit Verbindungen ab, sie schlafen einfach ein. Auch wenn man sich bemüht. Andere Verknüpfungen überdauern diese räumliche Trennung. Dafür „wachsen“ am neuen Ort neue Bekannt- und Freundschaften nach. Erweitern können sich diese Netzwerke vermutlich nur bedingt. Oder was meinst du?

Auch an meiner Arbeitsstelle kann ich beobachten, dass jeder Bereich ein kleines, sehr dichtes Netzwerk ist. Hier kennt man untereinander die Familien, weiß, wenn es einem Kind schlecht geht oder es in der Schule Sorgen macht. Hier steht man füreinander ein und hält sich den Rücken gegenseitig frei. Das brauchen wir: soziale Nähe, Austausch und Zusammengehörigkeit. Je mehr davon vorhanden ist, desto wohler fühlen wir uns in einem Gefüge.

Damit Netzwerke gelingen, muss ich mich selbst einbringen. Es ist ein ständiges Nehmen und Geben. Und vielleicht erstmal ein Geben. Das Nehmen kommt von ganz alleine zurück – gehört einfach zusammen, wie Yin und Yang.

Das größte Netzwerk, in dem wir auch gut aufgehoben sind, ist unsere Gesellschaft. Diese gelingt nur dadurch, dass alle etwas hineingeben. Damit meine ich jetzt nicht Steuern zahlen. Sondern ein aktives Vereinsleben, Dorf- und Stadtleben, politische Anteilnahme und ein vernetztes – da haben wir es wieder! – soziales Miteinander.

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Eng verbunden! Quelle: Giesje, Pixabay.

Was die zunehmende Vereinsamung der Ältesten unter uns angeht, glaube ich, dass unser gesellschaftliches Netzwerk nicht ausreichend funktioniert. Meiner Meinung nach stehen hier Geben und Nehmen nicht mehr im ausgewogenen Verhältnis. Aber wie auch, wenn eine Gesellschaft immer älter wird. Wenn die Lebenswelten in unterschiedlichen Lebensjahrzehnten immer weiter auseinander fällt. Wenn familiäre Netzwerke den einzelnen nicht mehr tragen.

Ich würde mir wünschen, dass wir alle wieder stärker auf unsere Netzwerke achten. Dass wir zum Geben bereit sind. Lange bevor wir ans Nehmen denken. Das kommt früh genug.

Übrigens: Kein Mensch ist eine Insel! Schau mal nach deinen Netzwerken und pflege sie. Sie sind wichtig. Damit wir uns wohlfühlen.

Deine Elma

Das eine und das andere Leben.

Von der einen und der anderen Seite. Quelle: Pixabay.

Ich führe zwei Leben. Das eine findet in meiner Arbeitszeit statt, nimmt viel Energie von mir und auch zeitlich hat es ein einnehmendes Wesen, das im Zaum gehalten werden will. Das andere Leben ist das lustvolle, kreative, das sich in die freie Zeit hinein ausweitet und dafür sorgt, dass die Energie zurückfließt. An den Mondhüttentagen erkenne ich die Grenzbereiche wie auf einer Landkarte. Und ich erkenne: Nur zusammen sind sie ein Ganzes. Zusammen sind sie: ICH.

Von der einen und der anderen Seite. Quelle: Pixabay.

Von der einen und der anderen Seite. Quelle: blickpixel_pixabay.

Langezeit hatte ich das Gefühl, ich muss das Arbeitsleben zurückdrängen und für mehr freie Zeit kämpfen, in der ich mich entfalten kann. Ich brauche einfach Zeit, in der ich all die Dinge verwirklichen kann, die mir durch den Kopf spuken. Und dann ist da ja auch noch der Alltag mit Einkaufen, Putzen, Ordnung halten. Aber inzwischen weiß ich, dass beide Seiten zusammen gehören. Wie Yin und Yang sind sie nur durch den anderen so wertvoll. Was wäre denn meine kostbare Freizeit, wenn ich sie immer hätte?! Grenzenlose Freiheit für Strickprojekte, Heimwerkern oder fürs Schreiben! Für die Natur, für Spaziergänge und Wanderungen… ach ja… ein bisschen mehr als gerade eben wäre schon schön.

Wer denkt das nicht?! Wieder ist die Woche rum und wir haben vor allem: gearbeitet. Hetzen nach Hause, erledigen den Haushalt und schon ist der Tag zu Ende. Da ist die oben genannte Landkarte ziemlich einseitig, oder?!

Doch ich merke auch, dass gerade durch diese erfüllte freie Zeit, die so konzentriert und komprimiert wirkt, unsere Arbeitszeit einen ganz neuen Stellenwert erhält. Nicht, dass sie das Negative zum Positiven ist, nein, sie ergänzen sich. Und ich komme tatkräftig und erfüllt von der anderen Seite zurück. Was ich außerdem beobachte: Die Grenzen zwischen beiden Leben sind durchlässig. Da gibt es Brücken und Übergänge, die ein Hin und Her ermöglichen. Und was passiert da? Das eine wie das andere Leben befruchtet sich voneinander. In meiner Arbeit profitiere ich nämlich immens von der reich gefüllten Zeit des anderen Lebens. Diese kreativen Pausen, dieser Wechsel zwischen herbst_luftholen_freizeit_quelle-larisa-kunterschiedlichen Anforderungen – mal geistig anspruchsvoll und konzentriert, mal leicht und weitblickend bei einer Wanderung – machen mich reich, erfüllt und vor allem: glücklich. Es ist auch ein Teil der Ernte, die wir einfahren, wenn wir uns dies an Mondhüttentagen einmal anschauen. Dieser Reichtum, der in der Vielfältigkeit unseres eigenen Tuns liegt. Für diesen Reichtum habe ich gerne eine Landkarte mit dem einen und dem anderen Leben. Wie Luise kürzlich schrieb, beschreibt diese Landkarte auch einen Rhythmus, der zu uns gehört. Ein Rhythmus, auf dem wir hin und her schwingen, wie auf einer großen Kinderschaukel. Gleichmäßig und verlässlich. Hin und her.

Schreib mir gerne, welche Assoziationen dir dazu kommen. Wo ziehen sich bei dir Grenzen, gibt es Übergänge und Brücken von der einen Seite zur anderen? Sind es vielleicht mehr als zwei Leben, die deine Landkarte bilden? Mir hat dieser Ansatz viel Erkenntnis über mich selbst gebracht. Neuerdings begrüße ich jedenfalls den Wechsel in das jeweils andere Leben mit einem breiten inneren Lächeln.

Bis bald, deine Elma